Offene Arbeit in der Kita

Kinder schützen und stärken: Weiterbildung der Kita-Leitungen zur Offenen Arbeit

Mit vielen neuen Impulsen und einem Zertifikat in Händen kehren die Leiterinnen der städtischen Kitas in ihre Einrichtungen zurück.

Wie viel Offenheit und Autonomie brauchen Kinder im Kita-Alltag? Und was unterstützt sie am besten in ihrer individuellen Entwicklung und ihrem Wohlbefinden? Für die städtischen Kitas ist die Antwort seit rund 25 Jahren eng mit dem Konzept der Offenen Arbeit verbunden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Selbstbestimmungs- und Beteiligungsrechte jedes einzelnen Kindes. Damit dieses pädagogische Konzept lebendig bleibt, sich weiterentwickelt und an die Bedingungen vor Ort angepasst werden kann, haben die Leiterinnen der städtischen Kitas an einer zehntägigen Weiterbildung zur Fachkraft für Offene Arbeit teilgenommen. In sechs zweitägigen Modulen vertieften sie ihr Wissen in Theorie und Praxis. Am Dienstag (24. Februar) erhielten sie zum Abschluss in einer kleinen Feierstunde im Bürgersaal der Ortsverwaltung ihr Zertifikat und nahmen viele neue Impulse mit zurück in ihre Einrichtungen.

„Die Offene Arbeit lebt von einer professionellen Haltung. Sie steht für Vertrauen in die Entwicklung von Kindern, für gelebte Partizipation, Selbstbestimmung und eine Lernumgebung, die von Neugier und Entdeckungsfreude geprägt ist“, erklärt Silke Lebisch, Leiterin des Netzwerks Offene Arbeit Deutschland und Weiterbildungsleiterin. Kern der Offenen Arbeit ist eine wertschätzende Haltung gegenüber jedem einzelnen Kind. Die individuellen Interessen der Kinder werden bewusst aufgegriffen und gefördert, Mitgestaltung – sowohl durch die Kinder als auch durch ihre Eltern – ist ausdrücklich erwünscht. Schon die Jüngsten werden so ermutigt, ihre Talente und Stärken zu entdecken und einzubringen. Es entsteht ein Umfeld, in dem Kinder Selbstwirksamkeit erleben und Verantwortung übernehmen können. Im Kita-Alltag zeigt sich das ganz konkret: Die Räume sind als Bildungsräume gestaltet und die Kinder entscheiden selbst, ob sie im Kreativbereich arbeiten, sich im Bewegungsraum auspowern oder lieber in einer ruhigeren Umgebung arbeiten möchten. In den Einrichtungen stehen deshalb die meisten Türen offen und laden die Kinder dazu ein, sich für eine Aktivität zu entscheiden und sich frei zu bewegen.
„Damit die Offenheit in der täglichen Arbeit für alle ein Gewinn ist, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, klare Strukturen, transparente Regeln und verbindliche Teamabsprachen“, unterstreicht Natascha Kaiser, Fachbereichsleiterin Bildung, Soziales und Kultur. Denn wie die Offene Arbeit konkret umgesetzt wird, hängt stark von den jeweiligen Rahmenbedingungen ab. In Kehl gibt es kleine Einrichtungen mit nur einer Gruppe ebenso wie große Kitas mit bis zu sechs Gruppen. Zwischen 20 und 120 Kinder werden betreut; Unterschiede, die sich zwangsläufig auf Raumkonzepte, Abläufe und pädagogische Schwerpunkte auswirken. Jede Einrichtung muss daher ihren eigenen Weg finden, die Prinzipien der Offenen Arbeit mit Leben zu füllen.
Das zeigte sich auch in den vielfältigen Abschlussprojekten der Kita-Leitungen: Die Themen reichten von der Visualisierung von Lernprozessen durch „sprechende Wände“ über eine budgetunabhängige Raumgestaltung und den Abbau sprachlicher Barrieren bis hin zur Entwicklung eines Beschwerdemanagements für Kinder und Familien. Ein bunter Strauß an Projekten, der die unterschiedlichen Fragestellungen der Leitungen aufgriff und während der Weiterbildung weiterentwickelt werden konnte.
„Offene Arbeit ist immer ein Entwicklungsprozess, der kontinuierlich reflektiert und angepasst werden muss“, betonte Michaela Könner, Fachkoordinatorin im Bereich Bildung und Betreuung von Kindern. Die abgeschlossene Weiterbildung eröffne den Leitungen neue Impulse durch Austausch und Vernetzung und mache Mut, Bewährtes weiterzuentwickeln. „Jetzt geht es ans Umsetzen. Mit Überzeugung und klaren Strukturen, mit Freude und mit Spaß. Traut euch was, vernetzt euch, lernt voneinander und macht Fehler. Auch die sind wichtig, um sich weiterzuentwickeln“, ermutigte auch Natascha Kaiser die Teilnehmerinnen.