Feuerlöschboot

Europa 1

23 Meter lang, 6,20 Meter breit, 40 Stundenkilometer schnell und mit acht Mann Besatzung voll einsatzfähig: Das Feuerlöschboot Europa 1, das im Sommer 2007 in Dienst gestellt wurde, ist echte deutsch-französische Maßarbeit und damit ein Musterbeispiel grenzüberschreitender Kooperation. Mit der Europa 1, welche die Europäische Union, mehrere französische Gebietskörperschaften und das Land Baden-Württemberg finanziert haben, ist auf der Werft der Firma Neckar-Bootsbau Ebert in Neckarsteinach ein Löschboot gebaut worden, das exakt den heutigen Anforderungen an die Gefahrenabwehr auf dem Rhein entspricht. Die Konzeption für das Boot und dessen Betrieb wurden bei ungezählten Treffen akribisch gemeinsam ausgetüftelt. Dass die Finanzpartner bereit waren, 2,5 Millionen Euro für das Löschboot aufzuwenden, hat einen guten Grund: Bis zu acht Stunden würde es im Brandfalle dauern, bis ein Löschboot aus Mannheim oder Basel auf dem Rhein zwischen Straßburg und Kehl eintreffen würde.
Ihren Liegeplatz hat die Europa 1 im Straßburger Nord-Hafen – vier Kilometer von der Kehler Feuerwache entfernt. Vor Ort sind die Kehler Feuerwehrleute im Einsatzfall mindestens so schnell wie ihre Kollegen von der Straßburger Berufsfeuerwehr, die aus der Innenstadt anfahren müssen. Muss die Europa 1 auslaufen, übernimmt unter der Woche tagsüber die Straßburger Berufsfeuerwehr den Dienst auf dem Schiff, an Wochenenden und nachts sind die Kehler Feuerwehrleute in Alarmbereitschaft. Diese Aufteilung funktioniert bereits seit 2007 und sie funktioniert gut. Dennoch ist das Ziel beider Feuerwehren, dass auch aus deutschen und französischen Wehrmännern gemischte Mannschaften den Löscheinsatz übernehmen können. „In Frankreich ist vieles anders“, sagt Feuerwehrkommandant Gerhard Stech, „es gibt Unterschiede in der taktischen und technischen Vorgehensweise“. Dazu kommt, dass sich die deutschen und französischen Feuerwehrkollegen dank der Teilnahme an Sprachkursen zwar halbwegs verständigen können, im Einsatzfalle jedoch „muss man sich zu hundert Prozent verstehen“, weiß Gerhard Stech.
Damit das immer besser klappt, ist Mittwochs Ausbildungstag: Angehörige der Kehler und der Straßburger Wehr treffen sich am Liegeplatz zum einen, um die Europa 1 zu reinigen, zum anderen zum gemeinsamen Üben. Das hat sich inzwischen gut eingespielt – beide Wehren fühlen sich gleichermaßen für das Löschboot verantwortlich.

Hintergrund

Abmessungen und Daten

  • Länge über alles 23,00 m
  • Länge zwischen den Loten 20,00 m
  • Breite über alles 6,20 m
  • Breite zwischen den Spanten 6,00 m
  • Höchster Festpunkt über Wasserlinie 5,50 m
  • Tiefgang betriebsklar ca. 0,90 m
  • Höhe Vordeck über Wasserlinie ca. 0,60 m
  • Höhe Achterdeck über Wasserlinie ca. 1,50 m
  • Höhe Rettungsplattform über Wasserlinie ca. 3,10 m
  • Wasserverdrängung voll ausgerüstet ca. 45 m³
  • Geschwindigkeit bei 4 m Wassertiefe ca. 40 km/h
  • Schiffstechnische Besatzung mind. 2 Personen
  • Feuerwehrtechnische Besatzung mind. 6 Personen
  • Stabsstelle Rechnungsprüfung

Schiffstechnische Ausrüstung und Daten

  • Schiffskörper komplett in Aluminium in der Bauform eines Halbgleiters in Knickspant-Bauweise
  • Bergeanlandungen im Böschungsbereich sind konstruktiv durch ein verstärktes Vorschiff in Verbindung mit der Bugklappe ermöglicht.
  • zwei Hauptmaschinen MAN D 2842 LE 410, 12 Zylinder mit 809 kW (1.100 PS)
  • zwei Kameva Jet-Antriebe mit Vektorstick-Steuerung
  • Bugstrahlruder mit 20 kW Leistung
  • zwei Dieselgeneratoren 230 / 400 V mit je 60 kVA als redundante Systeme für den Schiffsbetrieb
  • Kraftstofftank mit 4.000 l Fassungsvermögen
  • Bordnetz 24 V-Gleichstrom ab Batterie
  • Starternetz (Hauptmaschinen) 24 V-Gleichstrom Batterie
  • Hydraulische Bugklappe mit einer Breite von 3,00 m und einer Tragfähigkeit von 500 kg auskragend und 1.500 kg aufgelegt.
  • zwei Hydraulikkräne mit Explosionsschutz (steuerbord und backbord am Vordeck), mit hydraulischer 1.000 kg Seilwinde, Hubkraft Kran 1.270 kg bei 3,0 m Abstand von der Schiffsaußenkante (= 4,5mt)
  • großer Hydraulikkran achtern mit Funkfernsteuerung und Explosionsschutz, hydraulischer 1.000 kg Seilwinde, Hubkraft Kran 1.000 kg bei 3,0 m Abstand von der Schiffsaußenkante (= 7,0 mt);
    - mit montierbarem Schaum-/ Wasserwerfer mit 4.000 l/min bei einer maximalen Werferhöhe von 9,0 m über Wasserlinie
    - mit montierbarem Personenbeförderungskorb mit 300 kg Traglast, einer maximalen Ausladung von 8,5 m (von Kranmitte) und einer maximalen Arbeitshöhe von 10,7m über Wasserlinie
  • Explosionsschutz in einer besonderen Qualität d. h.
    - Gaswarnanlage mit zwei Messköpfen
    - Höhe der Luftansaugöffnung > 5,25 m über Wasserlinie
    - automatisches Verriegeln der Außentüren - Schleusenbetrieb
    - automatische Inbetriebnahme der Abgasdusche
    - automatische Leistungsreduzierung der Sendeanlagen gemäß ATEX-Richtlinie auf 1 Watt
    - automatische Abschalung sämtlicher Außenverbraucher ohne EX-Schutz
  • Kameras zur Überwachung des vorderen und hinteren Arbeitsdecks
  • Kommunikationsmittel nautisch: zwei Rheinfunkgeräte
  • Nautische Geräte: Radarpilotanlage, Wendeanzeiger, Autopilotanlage, Ruderlagenanzeiger, GPS, Echolot, Wetter- und Windmessstation, Bordsprechanlage
  • Einpersonenfahrstand
  • Einbruch-, Brandmelde-, und Bilgenwarnanlage
  • Automatische Löschanlage für den Maschinenraum
  • Klimaanlage für das Steuerhaus
  • Beiboot in der Form eines unsinkbaren Rettungsboots RTB 2 (Schlauchboot mit Aluminiumrumpf) mit 60 PS AußenborderBreite über alles 6,20 m

Feuerwehrtechnische Ausrüstung und Daten

  • zwei Feuerlöschpumpen FP 10-6000 (Antrieb über Hauptmaschinen)
  • eine Feuerlöschpumpe FP 10-750 (Antrieb über 30 kW Drehstrommotor)
  • zwei fernsteuerbare, explosionsgeschützte Schaum-/ Wasserwerfer (einer im Zusammenhang mit Hydraulikkran Heck) mit einer Leistung von 4.000 l/min und einer Wurfweite von ca. 65 m
  • Lenzleistung durch tragbare Elektro- und Turbinentauchpumpen von ca. 14.000 l/min
  • Löschwasserabgabe über 6 Druckabgänge A und 11 Druckabgänge B
  • Wassernebel-Selbstschutzanlage
  • 3.200 l konzentriertes AFFF-Schaumlöschmittel für 1% Zumischung
  • zwei Schaumzumischanlagen mit einer Leistung von je 4.500 l/min Schaummittel-Wassergemisch bei 1% Zumischung
  • zur Erzeugung eines Schaumteppichs können an den B-Druckabgängen Mittelschaumrohre M8 (4 Stück) und M4 (2 Stück) mit einer Gesamtschaummenge von 200.000 Liter pro Minute aufgesteckt werden.
  • Geräteraum auf der Ebene des Vordecks zur Aufnahme unfangreicher feuerwehrtechnischer Beladung - zum Teil in kranbaren Rollcontainern
  • stabiles Geräteraumdach (inkl. Rettungssteg) als Evakuierungsdeck zur horizontalen Menschenrettung von Passagierschiffen
  • geräumige Bergeplattform achtern mit Taucherleiter
  • stationäre Flutlichtanlage an den Luftansaugkanälen mit 6 Strahlern a 2.000 Watt
  • Kommunikationsmittel feuerwehrtechnisch:
    - je zwei Feuerwehrfunkgeräte Deutschland / Frankreich
    - Funkmehrfachabfrage Major BOS 8
    - mehrere tragbare Funkgeräte zum Teil mit EX-Schutz
    - Mobiltelefon mit Telefaxgerät
  • Druckluftkompressor für Arbeitsluft; Werkbank im Pumpenraum

Kontakt

Haben wir Ihr Interesse geweckt?
Dann melden Sie sich bei uns oder kommen einfach vorbei. Wir freuen uns auf Sie.

Feuerwehr Kehl
Telefon 07851 88-3333