Diskussion um Innenstadt
Einzelhandelsdialog: OB stellt Kooperation mit Hochschule vor – Einzelhandel und Gastronomie mit deutlichem Bekenntnis zur Innenstadt
„Wir sind Kehl.“ Mit einem deutlichen Bekenntnis zu ihrer Heimatstadt haben Vertreterinnen und Vertreter aus Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistungsgewerbe und Handwerk beim Einzelhandelsdialog der Wirtschaftsförderungs- und Stadtmarketing-GmbH am Montagabend (2. Februar) für eine engere Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, dem Stadtmarketing sowie dem Gemeinderat geworben.
„Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistung und Handwerk prägen das Bild der Kehler Innenstadt und sichern ihre Funktionsfähigkeit“, attestierten Nicole Thüm und Cathrin Nussbaum (beide Juwelier & Optik Thüm), Carlos de Oliveira Albuquerque (Eiscafé Italia) und Nicole Hammel (Schuh Barho) ihrer Heimatstadt. Gastrobetriebe seien Treffpunkte und damit Teil des öffentlichen Lebens. „Eine Stadt ohne Gastronomie ist wie Fastnacht ohne Musik. Möglich, aber nicht wirklich schön“, betonte Carlos de Oliveira Albuquerque. Cathrin Nussbaum beschrieb den Einzelhandel als einen Ort, an dem Vertrauen, Identifikation und Orientierung geschaffen werden. „Ohne geöffnete Läden verliert eine Innenstadt ihre Anziehungskraft und damit ein Stück ihrer Seele“, sagte sie. Dienstleistung und Handwerk hingegen seien das Fundament der lokalen Wirtschaft und sorgten dafür, „dass diese Stadt funktioniert“, ergänzte Nicole Thüm. Die Botschaft: Zusammen mit der Stadtverwaltung, dem Stadtmarketing und dem Gemeinderat wollen die Einzelhändler und Gastronomen die Kehler Innenstadt stärker beleben. Was sie dabei umtreibt, ist ein fortwährender Strukturwandel, der auch vor der Rheinstadt nicht Halt macht: Immer mehr Kundschaft wandert ins Internet ab und erledigt dort ihre Einkäufe über Onlineshops. „Der Klick ist schnell gemacht – und das zu jeder Tages- und Nachtzeit“, brachte Oberbürgermeister Wolfram Britz das Dilemma auf den Punkt. Diese Entwicklung hat sich durch die Corona-Pandemie und die damit einhergegangenen Einschränkungen beschleunigt. Die Folge sind Umsatzeinbußen im stationären Handel, Geschäftsaufgaben und Leerstände. Daher wollten die Einzelhändlerinnen und Einzelhändler von Oberbürgermeister Wolfram Britz und Wirtschaftsförderer Christoph Hodapp wissen: „Welche Konzepte und Ideen gibt es, um die Innenstadt aufzuwerten und so mehr kaufwillige Kundschaft in die Hauptstraße zu locken?“ „Als Stadt können wir hier nur bedingt steuernd eingreifen“, schränkte der OB ein. Seit inzwischen zwei Jahren kontrolliert der kommunale Ordnungsdienst intensiv die Automatenbistros in der Stadt. Bei Neuanmeldungen werden die Betreiberinnen und Betreiber beispielsweise aufgefordert, die Umsätze der ersten drei Monate von einem Steuerberater beglaubigt offenzulegen. Stellt sich dabei heraus, dass die Einnahmen mehrheitlich aus Spielautomaten stammen, können die Geräte eingezogen werden. Dem Vorschlag, die Stadt könne angesichts zahlreicher Leerstände in der Innenstadt als Zwischenmieterin auftreten, erteilte Oberbürgermeister Wolfram Britz hingegen eine deutliche Absage: „Es ist nicht die Aufgabe der Stadt, ins Immobiliengeschäft einzutreten.“
Stattdessen warben er und Wirtschaftsförderer Christoph Hodapp damit, Kehl mit „R(h)einschauen“ als Stadtmarke zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. Unter diesem Titel hatte die Kehl Marketing GmbH bereits in den vergangenen Jahren zahlreiche Veranstaltungen realisiert, zuletzt die Freiluftausstellung „Kehler Berge“. Für das mittlerweile angebrochene Jahr plant das Stadtmarketing insgesamt 34 sogenannte Eventformate. Dazu zählen Feste und Veranstaltungen wie der Kehler Messdi, ein Streetfood-Festival und der Firmenlauf „Kehler Wirtschaft läuft“. Einige dieser Eventformate sollen bereits unter der „R(h)einschauen“-Marke organisiert werden.
Hochschulkooperation als Frequenzbringer
Oberbürgermeister Wolfram Britz und Wirtschaftsförderer Christoph Hodapp sprachen in diesem Zusammenhang die Initiative der Hochschule Kehl an, die zweite Etage im ehemaligen Kaufhaus Schneider (oberhalb der Müller-Filiale) zu Vorlesungs- und Seminarräumen für rund 200 Studierende umzubauen. Jährlich studieren rund 1500 Männer und Frauen an der Hochschule in Kehl. Das entspricht einer Kaufkraft von rund sechs Millionen Euro. Stadtmarketing und Stadtverwaltung hoffen, dass die Studierenden aufgrund der zentralen Innenstadtlage einen Teil ihrer Kaufkraft in die Geschäfte in der Fußgängerzone tragen.
Christoph Hodapp lobte den Vorstoß aus Einzelhandel und Gastronomie, stärker und noch fokussierter an einem gemeinsamen Strang zu ziehen. „Kehl kann viel. Davon sind auch wir überzeugt“, sagte er. Und was Kehl kann, das wurde beim Einzelhandelsdialog ebenfalls thematisiert. Positiv hervorgehoben wurden dabei: die autofreie Fußgängerzone, die Außengastronomie auf dem Marktplatz und gemeinsame Aktionen von Stadtmarketing und Einzelhandel wie die Ostereiersuche in den Schaufenstern und die Nikolausstiefelaktion. Diese Qualitäten, da waren sich alle Beteiligten an diesem Abend rasch einig, gilt es stärker in den Vordergrund zu rücken und damit Nörgler und Miesmacher aus den sozialen Netzwerken etwas entgegenzusetzen.


