Arbeitskreis „Wärme, Energie und Klima“

Arbeitskreis „Wärme, Energie und Klima“ besucht Heizkraftwerk und Josef-Guggenmos-Grundschule

Der Arbeitskreis „Wärme, Energie und Klima“ bekam Einblicke ins Heizkraftwerk in der Richard-Wagner-Straße, das aktuell rund 90 Gebäude versorgt.

Der Arbeitskreis „Wärme, Energie und Klima“ kam zu seiner zweiten Sitzung des Jahres in der Josef-Guggenmos-Grundschule zusammen. Nach dem eher theoretisch geprägten Auftakt im Juli stand diesmal die Praxis im Mittelpunkt: Während eines Rundgangs durch das Heizkraftwerk in der Richard-Wagner-Straße, der Besichtigung der Heizungsanlage der Josef-Guggenmos-Grundschule sowie bei einer Einführung in die dortige Photovoltaikanlage erhielten die Teilnehmenden Einblicke in konkrete Maßnahmen zur Wärmewende in Kehl. Der Arbeitskreis vereint Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Gemeinderat, Wirtschaft und Interessenverbänden, um die Energiewende in Kehl aktiv voranzubringen. „Wir müssen und wollen große Schritte gehen, um die Wärmeversorgung zukunftsfähig zu gestalten und die Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen“, betonte der Erste Beigeordnete und Leiter des Baudezernats Thomas Wuttke zum Auftakt.

Nur wenige Schritte von der Josef-Guggenmos-Grundschule entfernt befindet sich in der Richard-Wagner-Straße das Heizkraftwerk der Wärmegesellschaft, das bei seiner Inbetriebnahme ein bedeutender technologischer Fortschritt war. „Es ist die Technik der Zukunft von vor 15 Jahren“, fasste Thomas Wuttke treffend zusammen. Rainer Rinderspacher, Mitarbeiter der badenovaWÄRMEPLUS, vermittelte den Teilnehmenden kundige Einblicke: Das Kraftwerk basiert auf dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Dabei treiben zwei gasbetriebene Motoren einen Generator an, der gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt, sogenannte Blockheizkraftwerke (BHKW). Die entstehende Wärme wird über Wärmetauscher in den Heizkreislauf eingespeist und über ein unterirdisches Leitungsnetz aktuell an rund 90 Gebäude verteilt – darunter öffentliche Einrichtungen sowie städtische Immobilien und Gebäude der Wohnbau Kehl. Die Anlage wird digital überwacht und kann auch aus dem Homeoffice gesteuert werden. In der Machbarkeitsstudie zum Wärmeverbund 4.0, die die Transformation und den Ausbau des Wärmenetzes untersucht hat, ist vorgesehen, die bestehenden BHKWs auch künftig zu nutzen – als Spitzenlastzentrale, während an der Vogesenallee ein neues, klimafreundliches Kraftwerk mit Grundwasserwärmepumpe entsteht. Ab 2035 sollen die BHKWs ausschließlich mit Biogas betrieben werden.

Vom Blockheizkraftwerk ging es zurück in die Josef-Guggenmos-Grundschule, die ihre Wärme aus dem Heizkraftwerk bezieht. Eva-Maria Löhrmann vom städtischen Gebäudemanagement erläuterte die Funktionsweise der Heizungsanlage, die neben der 2021 fertiggestellten Schule auch den Kindergarten Kreuzmatt und den Jugendtreff Kreuzmatt mit Wärme versorgt. Die Übergabestation überträgt die Wärme vom Primär- auf den Sekundärkreislauf und deckt mit einer Leistung von 133 Kilowatt einen jährlichen Bedarf von 145 000 Kilowattstunden – das entspricht etwa dem Verbrauch von sieben sparsamen Einfamilienhäusern. Das System wird durch den jeweiligen Hausmeister gesteuert, das Gebäudemanagement kann bei Bedarf aus der Ferne eingreifen.

Im Keller der Josef-Guggenmos-Grundschule wird die Wärme auch an die Kita Kreuzmatt und den Jugendtreff Kreuzmatt verteilt. Eva-Maria Löhrmann vom städtischen Gebäudemanagment erklärt die Anlage.

Seit September 2024 befindet sich auf dem Dach der Schule eine Photovoltaikanlage mit 156 bifazialen Modulen (Gesamtleistung 69 Kilowatt-Peak). Die beidseitig aktiven Module fangen Sonnenlicht von Vorder- und Rückseite ein und erreichen dadurch eine besonders hohe Effizienz. Im laufenden Jahr erzeugte die Anlage 66 Megawattstunden Strom, wovon 29 Prozent vor Ort verbraucht wurden, der Rest konnte ins Netz eingespeist werden. Michael Bunkus vom Gebäudemanagement bezifferte den Hausverbrauch der Schule auf insgesamt 30,9 Megawattstunden, von denen 63 Prozent durch die PV-Anlage mit Batteriespeicher gedeckt werden konnten. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Durch die Anlage wurden in 2025 bisher rund 25 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart. Mit Investitionskosten von rund 66 000 Euro netto gegenübergestellt den jährlichen Stromeinsparungen und Einspeisevergütungen amortisiert sich die Anlage in rund zehn Jahren. „Bei einer Lebensdauer von 30 Jahren ist das auch wirtschaftlich eine lohnende Investition“, betonte Michael Heitzmann, Leiter des städtischen Gebäudemanagements.

Am Ende des Arbeitskreises stellte Thomas Wuttke die nächsten Pläne vor: Die Wärmeversorgung soll klimafreundlicher werden mit erneuerbaren Wärmequellen und Abwärme aus der Industrie. Konkret geplant sind eine Grundwasserwärmepumpe in der Vogesenallee und der Ausbau des Fernwärmenetzes – einerseits in Richtung Südosten bis zur Niedereichhalle, andererseits in Kooperation mit der grenzüberschreitenden Wärmegesellschaft Calorie Kehl-Strasbourg in Richtung Hafen zur geplanten Übergabestation der Abwärme der Badischen Stahlwerke.
Damit die Wärmewende gelingt, sollen möglichst viele Gebäude ans Netz angeschlossen werden. „Ein Fernwärmeanschluss ist besonders in dicht bebauten Bereichen wie der Kernstadt eine sehr gute Lösung“, legt Thomas Wuttke dar. „Nicht überall lässt sich eine eigene Wärmepumpe installieren. Das Fernwärmenetz ist hier eine komfortable und effiziente Alternative.“
Die Wärmegesellschaft, ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Kehl und badenovaWÄRMEPLUS, wird in den kommenden Monaten mit der Akquise beginnen und Bürgerinnen und Bürgern individuelle Angebote unterbreiten. Geliefert wird „Wärme inklusive allem“: Da kein Heizkessel mehr im Keller steht, fallen auch die Kosten für Wartung, Reparatur und Schornsteinfeger weg. Ein Vollkostenvergleich zeige, dass das Modell nicht nur komfortabel, sondern auch wirtschaftlich konkurrenzfähig sei.

„Wir brauchen in Kehl den Vergleich mit anderen Kommunen nicht zu scheuen“, resümierte Thomas Wuttke. „Damit das so bleibt, müssen Stadt, Wirtschaft und Bürgerschaft gemeinsam an einem Strang ziehen.“ Der nächste Termin des Arbeitskreises „Wärme, Energie, Klima“ ist für April 2026 geplant. Dann stehen Statusberichte aus den Bereichen Wärme, Energie und Klima sowie eine Vertiefung des Themas Kreislaufwirtschaft auf der Tagesordnung.