Beirat für Menschen mit Beeinträchtigungen

Zentrum der Vielfalt und Mitgliedersuche: Beirat für Menschen mit Beeinträchtigungen kommt wieder zusammen

Zuletzt im Oktober 2019 hatte sich der Beirat für Menschen mit Beeinträchtigungen zu einer Sitzung zusammengefunden. Dann begann die Corona-Pandemie. Nach rund zweieinhalb Jahren hat sich der Beirat jüngst im Rathaus erneut getroffen.

Außenfassade des Zentrums für Vielfalt an der Schulstraße.
Ein Vorschlag aus dem Beirat für Menschen mit Beeinträchtigungen: eine Art Sprechstunde im künftigen Stadtteillokal Zentrum der Vielfalt an der Schulstraße.

Wie viel Zeit zwischen den beiden Sitzungen vergangen ist, wurde auch dadurch deutlich, dass die Stadt mit Wolfram Britz inzwischen einen neuen Oberbürgermeister hat und Patrik Hauns den Fachbereich Soziales, Bildung und Kultur leitet. Der neue Rathaus-Chef richtete zum Beginn der Sitzung Dankesworte an die Gremiumsmitglieder: „Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich an diesem Beirat zu beteiligen, ist nicht selbstverständlich“, lobte er. Auf der Tagesordnung stand zudem eine Neuheit: das kürzlich eingerichtete Zentrum für Vielfalt an der Schulstraße 36A, gegenüber der Volksbank. Auf den 84 Quadratmetern des Stadtteilzentrums soll es künftig ein Empfangsbüro für Neu-Kehlerinnen und -Kehler geben. „Wir möchten Nachbarschaften stärken, Parallelgesellschaften aufbrechen und die Innenstadtbewohnerinnen und -bewohner aktivieren“, umriss Emilie Schleich von der Gemeinwesenarbeit Innenstadt das Aufgabenfeld. Genutzt wurden die Räumlichkeiten bereits für einen Bewohnerinnen-und-Bewohner-Treff. Hierzu waren Innenstädterinnen und -städter angesprochen und eingeladen worden. Wie Emilie Schleich berichtete, gibt es auch schon erste Anfragen, die Räumlichkeiten an der Schulstraße zu nutzen, beispielsweise für einen Deutschkursus und eine Hausaufgabenbetreuung. Das Zentrum für Vielfalt ist ein Ergebnis einer Sozialraumbefragung unter Bewohnerinnen und Bewohnern der Innenstadt aus dem Jahr 2019. An dieser Befragung war auch der Inklusionsbeauftragte Nicolas Uhl beteiligt. Die Räumlichkeiten an der Schulstraße sind barrierefrei, ein behindertengerechtes WC ist ebenfalls vorhanden. Nicolas Uhl kann sich zudem vorstellen, dort eine Art Sprechstunde für Inklusionsanliegen einzurichten. „Leute, die nicht im Beirat sitzen, könnten somit ihre Ideen und Anregungen an die Mitglieder herantragen“, schlug er vor.

Ideen und Anregungen für die Mitglieder des Beirats für Menschen mit Beeinträchtigungen könnten in den Räumlichkeiten an der Schulstraße gesammelt werden.

Dass sich die Stadtverwaltung bei Bau- oder Umbauprojekten seit nunmehr 24 Jahren auch mit Inklusionsfragen beschäftigt, das stellte der Leiter des Gebäudemanagements, Michael Heitzmann, dem Beirat vor. Als Beispiel nannte er den Ausbau der Großherzog-Friedrich-Kaserne ab 2000: Aufzüge, behindertengerechte Toiletten und Türen mit Drehtürantrieb (sie öffnen sich automatisch, sobald sich jemand nähert) ließen das Kasernengebäude immer barrierefreier werden. 2008 ist der Bürgersaal im Rathaus umgebaut worden und hat sein derzeitiges Erscheinungsbild angenommen. „Dass das Rathaus nicht barrierearm ist, der Darstellung möchte ich entschieden widersprechen“, betonte Michael Heitzmann und kündigte an, dass in wenigen Monaten eine sogenannte Leitlinie auf dem Rathausvorplatz eingelassen werden soll. Diese führt Menschen mit Sehbehinderungen bis zur ersten Treppenstufe des Rathauses. Auch aus dem derzeitigen größten Schulsanierungsprojekt der Stadtgeschichte konnte Michael Heitzmann Beispiele für einen barrierefreien Ausbau nennen: Die Grundschule in Auenheim bekommt einen Aufzug, in Leutesheim ist dies ebenso geplant wie in der Grundschule Marlen. „Wir wollen, dass alle Menschen unsere Gebäude nutzen können“, betonte Michael Heitzmann. Deshalb werde bei Projekten oftmals eine Person mit Beeinträchtigungen als Beraterin oder Berater hinzugezogen. Weiter schlug der Leiter des Gebäudemanagements vor, bei Bedarf den Inklusionsbeauftragten bei künftigen Planungen hinzuzuziehen.

Abseits der Tagesordnung brannten den Mitgliedern des Beirats nach zweieinhalb Jahren Sitzungspause einige Anliegen unter den Nägeln: So besteht nach wie vor der Wunsch nach einem behindertengerechten WC am Bahnhof. „Wir wissen, dass das notwendig und wichtig ist“, sagt Michael Heitzmann. Es gebe Gespräche mit dem Bahnhofsbesitzer und auch nach Fördermöglichkeiten werde gesucht. „Selbstverständlich wollen wir unseren Lebensraum so gestalten, dass er für uns alle passt“, ergänzte OB Wolfram Britz. „Deshalb leisten wir uns auch Projekte, zu denen wir nicht verpflichtet sind.“ Letztlich liege die Entscheidung aber beim Gemeinderat. Ein weiteres Thema waren breitere Bordsteinabsenkungen für Rollstuhlfahrende. Doch nicht jedes vorgetragene Problem lässt sich durch die Stadtverwaltung lösen, beispielsweise bei Mülltonnen, die auf dem Gehsteig abgestellt werden und Menschen mit Gehhilfen oder Rollstühlen somit den Weg versperren.

Mitglieder gesucht

„Wir müssen das Miteinander in der Gesellschaft wieder in den Mittelpunkt rücken“, appellierte Oberbürgermeister Wolfram Britz. Er ermutigte den Beirat für Menschen mit Beeinträchtigungen selbst aktiv zu werden und den Abbau von Barrieren, beispielsweise die Rollstuhlmitnahme in Zügen, einzufordern.