Bestattungen
Die letzte Ruhestätte ist häufig ein Urnengrab – Baumbestattungen werden immer beliebter
Bei der Frage nach der letzten Ruhestätte bewegt sich der Trend in Kehl seit Jahren weg von einer klassischen Sargbestattung. Stattdessen fällt die Wahl immer häufiger auf ein Urnengrab. Aber auch besondere Bestattungsformen wie beispielsweise Urnen an Bäumen einlassen, werden zunehmend nachgefragt.
Die Tendenz hin zu einem Urnen- und weg von einem konventionellen Erdgrab lässt sich bereits aus den Bestattungszahlen der 2010er-Jahre herauslesen. Die Zahl der belegten Erdreihen-, aber auch der Erdwahlgräber nahm zwischen 2010 und 2020 stetig ab. Bei Erdreihengräbern handelt es sich um Sarggräber. Die Verstorbenen werden hier in der Reihenfolge der Todesfälle beerdigt. Im Gegensatz dazu können Lage und Größe (Einzel-, Mehrfach- oder Tiefgrab) bei einem Erdwahlgrab frei gewählt werden. Bekannte Beispiele für diese Bestattungsform sind etwa Familiengräber. Parallel dazu stieg die Zahl der Urnengräber auf den Kehler Friedhöfen in diesem Zeitraum kontinuierlich an. Einen Umschwung gab es allerdings im ersten Corona-Jahr 2020: In diesem Jahr stieg die Zahl der Erdgräber von 3655 (2019) auf 3839 an. Derweil setzt sich der Trend hin zu einer Urnenbestattung weiter fort. 2024 erreicht die Zahl der belegten Urnenwahlgräber annähernd die 2000er-Marke. Zum Vergleich: 2010 gab es auf den Friedhöfen in Kehl lediglich 720 belegte Urnenwahl- und 633 belegte Urnenreihengräber.
Eine eher seltene Angelegenheit sind in Kehl anonyme Bestattungen. 2024 waren es 75 Urnen- und vier Sargbegräbnisse, darunter 16 Urnenbestattungen in der Kernstadt. Mehrheitlich handelt es sich dabei um ordnungsbehördliche Bestattungen in der Form von Urnenbeisetzungen. „Merklich zugenommen haben anonyme Beisetzungen in den vergangenen Jahren nicht“, heißt es aus der Friedhofsverwaltung.
Neben einer klassischen Bestattung werden auf dem Friedhof in der Kernstadt und in Goldscheuer zusätzlich Beisetzungen in gärtnergepflegten Grabfeldern angeboten. Die Grabpflege übernimmt auf diesen Flächen die Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner. Voraussetzung für eine Bestattung auf dem gärtnergepflegten Grabfeld ist ein Grabpflegevertrag zwischen den sogenannten Grabnutzungsberechtigten und der Genossenschaft. Auf dem Friedhof in der Kernstadt gibt es inzwischen 247 solcher Gräber, die Mehrzahl (214) sind Baumgräber, an denen eine Urne eingelassen wurde und die mit einem Findling (beschriftet mit Namen, Geburts- und Sterbejahr) und Immergrün bepflanzt sind. An 33 Stellen auf dem Grabfeld liegen Särge unter der Erde. Die Nachfrage ist so groß, dass bereits eine Erweiterungsfläche mit Platz für rund 150 zusätzliche Gräber angelegt wurde. Auch hier sind es mehrheitlich Urnengräber.
Das gärtnergepflegte Grabfeld auf dem Friedhof in Goldscheuer ist nahezu vollständig belegt. Von den 23 Grabstätten für Urnen und Särge ist nur ein Grab noch nicht belegt. Zusätzlich gibt es am Grabfeld einen Baumstandort mit Platz für 18 Urnen. Dort stehen noch vier Urnengräber zur Verfügung. Die Ortsverwaltung in Goldscheuer ist bereits mit der Genossenschaft badischer Friedhofspfleger im Gespräch, das Feld zu erweitern.
Bedarf an Baumbestattungen steigt
Bestattungssonderformen wie Flussgräber oder einen Friedwald gibt es in der Kernstadt und den Ortschaften nicht, wie es aus dem Standesamt heißt. Was einem Friedwald, also ein für Bestattungen ausgewiesenes Waldstück, am nächsten kommt, ist der sogenannte Friedpark in Auenheim. Seit 2016 sind auf dem dortigen alten Friedhof Baumbestattungen möglich. Und diese Möglichkeit wird rege genutzt: 99 Bestattungen gab es dort bislang, 40 davon – und damit etwas weniger als die Hälfte – seit 2023. Bei einer Baumbestattung in Auenheim wird die Asche der Verstorbenen in einer sogenannten Urnenröhre zur letzten Ruhe gebettet. „An den Zahlen lässt sich erkennen, dass diese Bestattungsart zunimmt“, heißt es dazu aus der Ortsverwaltung von Auenheim. Auf dem Friedhof in Leutesheim gibt es seit 2018 die Möglichkeit einer Urnenbeisetzung am Baum. Dazu stehen auf der Bestattungsfläche „Im Hain“ sechs Ahorn- und Tulpenbäume. Die Urnen der Verstorbenen werden in das Grabfeld rings um die Bäume eingelassen. Im Gegensatz zu den Urnenröhren, bei denen ein Namensschild mit den Lebensdaten des Verstorbenen auf dem Röhrendeckel angebracht wird, sind die Urnengräber „Im Hain“ nicht zu erkennen. Kleine Tafeln mit den Namen und Lebensdaten der Verstorbenen können stattdessen ebenso wie Blumen an eigens dazu aufgestellten Gedenksteinen angebracht werden. Bislang gab es an den Bäumen 38 Bestattungen. Jedes Grabfeld rings um die Bäume hat 16 Segmente. Und jedes Segment bietet Platz für bis zu zwei Urnen, sodass Ehepartner ihre letzte Ruhe gemeinsam finden können. „Die ersten Bäume sind schon belegt“, heißt es aus der Ortsverwaltung. Das Grabfeld wurde in diesem Jahr bereits erweitert.
Auch in Kork ist die Nachfrage nach Urnenbeisetzungen am Baum groß. Inzwischen gibt es auf dem Friedhof fünf amerikanische Amberbäume mit je 16 Gräbern. Drei Grabflächen sind komplett belegt. Auf dem Friedhof in Bodersweier stehen vier Urnenbäume. „Dort ist die Nachfrage nicht ganz so hoch“, teilt Amir Gidaui vom städtischen Betriebshof mit.
