Dorflinde Bodersweier

Keine Standsicherheit mehr: Betriebshof fällt Dorflinde in Bodersweier

Stattlich und erhaben ragte sie rund 24 Meter in den Himmel – die Dorflinde vor dem Gebäude der ehemaligen Schule in Bodersweier. Mit einem Stammumfang von etwa drei Metern und einem geschätzten Alter von 130 Jahren prägte sie das Ortsbild und war seit 1956 als Naturdenkmal besonders geschützt. Doch am Donnerstag (10. April) musste der städtische Betriebshof das markante Baumdenkmal fällen – ein schwerer Schritt, auch für die beteiligten Fachagrarwirte für Baumpflege.

Die etwa 130 Jahre alte Naturdenkmal-Linde musste gefällt werden.

Bereits im Februar hatte ein öffentlich bestellter und vereidigter Baumsachverständiger die Linde untersucht und in seinem Gutachten eine klare Einschätzung gegeben: Der Baum sei „insgesamt eindeutig abgängig“ mit einer akuten Gefahr für Stand- und Bruchsicherheit. Da die Linde an einer stark frequentierten Straße und in unmittelbarer Nähe eines regelmäßig genutzten Gebäudes stand, sah sich die Stadt aufgrund ihrer Verkehrssicherungspflicht zum Handeln gezwungen. Eine Fällung war die einzige verantwortungsvolle Maßnahme. Selbst ein starker Rückschnitt hätte die Lebensdauer der Dorflinde nur um sehr wenige Jahre verlängert – unter ständiger fachlicher Beobachtung und mit hohen Risiken verbunden.

Fast den gesamten Donnerstag waren die Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs mit der Fällung des imposanten Baumes beschäftigt. Die Diagnose bestätigte sich vor Ort: massive Vitalitätseinbußen, stark ausgeprägtes Totholz in der Krone und fortgeschrittene Zersetzung an zwei Wurzelanläufen am Stammfuß. Der Querschnitt des Stammes offenbarte eine dunkle Demarkationslinie – ein deutliches Zeichen von fortgeschrittenem Pilzbefall und oft ein Hinweis darauf, dass der Pilz schon alle Abwehrmechanismen des Baumes außer Kraft gesetzt hat. Es zeigte sich: Das Holz war stellenweise weich, porös und von Fäulnis durchzogen, teils bis tief ins Innere des Stammes.

„Der Baum war so geschwächt, dass er Verletzungen nicht mehr selbst heilen konnte“, stellte Fachagrarwirt Kevin Lösch fest. Viele Höhlungen in den Ästen der Krone und die mangelnde Standsicherheit im Wurzelbereich bedeuteten ein zu großes Risiko. „Trotzdem ist das ein schwarzer Tag“, sagte Kevin Lösch. „Einen solchen Baum fällen zu müssen, ist extrem bitter und fällt uns nicht leicht.“

Wie es mit dem Platz vor dem Gebäude der ehemaligen Schule weitergeht, ist noch offen. Sicher ist: Der Boden ist vom Pilz befallen. Für eine mögliche Neupflanzung müsste das Erdreich großzügig ausgetauscht und durch Substrat ersetzt werden. Auch ein angepasstes System für Bewässerung und Belüftung wäre notwendig, um dem sich wandelnden Klima Rechnung zu tragen und optimale Bedingungen für viele Jahrzehnte zu schaffen. Diese Überlegungen werden nun in enger Abstimmung mit dem Ortschaftsrat zu diskutieren sein.

Eindrücke der Fällarbeiten

Mit ihren rund 24 Metern Höhe ragte die Linde weit in den Himmel.
Ein Gutachten hatte ergeben, dass der Baum nicht mehr sicher war. 
Der Stamm weist eine dunkle Demarkationslinie im befallenen Holz auf.