Flüchtlingsunterkunft
Knapp 100 Interessierte beim Tag der offenen Tür in der Flüchtlingsunterkunft
Die Flüchtlingsunterkunft im Wohnquartier Schneeflären ist fast fertig: Bevor die ersten Bewohnerinnen und Bewohner im Frühjahr einziehen werden, konnte das Gebäude am Samstag (21. Februar) bei einem Tag der offenen Tür besichtigt werden. Knapp 100 Interessierte haben diese Möglichkeit genutzt und bei Führungen durchs Haus Fragen an Oberbürgermeister Wolfram Britz und Natascha Kaiser, Fachbereichsleiterin Bildung, Soziales und Kultur, gestellt.
Das zweistöckige Gebäude ist in drei Trakte unterteilt: Im einen können drei Familien mit Kindern wohnen. Ihnen steht ein Schlafzimmer, ein Wohn-Ess-Bereich und im Flur dazwischen eine einfache Küchenzeile zur Verfügung. Außerdem haben die drei Familienwohnungen ein eigenes kleines Duschbad.
Alleinstehende Frauen und Männer werden in den anderen beiden Gebäudeteilen getrennt voneinander wohnen. Sie teilen sich jeweils Doppelzimmer mit Stahlrohrbetten, die auch zu einem Stockbett zusammengefügt werden können. Außerdem sind die Zimmer mit einem kleinen Tisch, zwei Stühlen und zwei Stahlschränken ausgestattet. Gekocht wird in Gemeinschaftsküchen; die sanitären Anlagen sind in einem Waschraum zusammengefasst.
Vier Stunden lang führten Natascha Kaiser, Jannate Hammerstein (Leiterin Sozialwesen und Integration), Melanie Frühe (Leiterin Stadtteil- und Sozialraumentwicklung) und Integrationsbeauftragte Raya Gustafson Interessierte durch das Gebäude und beantworteten Fragen. Auch Oberbürgermeister Wolfram Britz stand für Gespräche zur Verfügung. Außerdem wurden die vielfältigen Angebote auf Plakaten und Pinnwänden vorgestellt, welche die neuen Bewohnerinnen und Bewohner – wie alle anderen Kehlerinnen und Kehler – nutzen können. „Wir möchten die Menschen gerne rausholen aus dem Haus und dem Viertel“, erklärte Natascha Kaiser. Zum einen, um die Integration zu erleichtern, zum anderen aber auch, um die Geflüchteten in die Lage zu versetzen, ihr Leben selbst in die Hand nehmen zu können.
Sie stellte auch klar, dass die Bewohnerinnen und Bewohner des neuen Hauses im Quartier Schneeflären keine Neuankömmlinge sind: Nach ihrem Aufenthalt in einer Landeserstaufnahmeeinrichtung haben sie in der Regel bis zu zwei Jahre in der sogenannten vorläufigen Unterbringung im Ortenaukreis verbracht. Der Stadt Kehl werden sie zur Anschlussunterbringung zugewiesen. Das neue Gebäude ist als Übergangsstation vorgesehen: „Wir möchten die Menschen würdig unterbringen, sie aber gleichzeitig ermutigen, sich nach einer eigenen Wohnung umzuschauen“, sagte Natascha Kaiser. Mit einem sehr schnellen Wechsel rechnet die Fachbereichsleiterin dennoch nicht: „Dazu ist der Wohnungsmarkt in Kehl zu angespannt.“
Wie die Geflüchteten wohnen werden
Wie eine gute Nachbarschaft gelingen kann
Bis zu 50 Menschen – alleinstehende Männer und Frauen, Alleinerziehende und Familien – können im neuen Gebäude untergebracht werden. Wie eine gute Nachbarschaft und ein Miteinander gelingen können, war Thema bei einem Informationsabend im Dr. Friedrich-Geroldt-Haus, zu dem die Stadt am Dienstagabend (10. Februar) eingeladen hatte.
Die Stadt setze von jeher nicht auf „Massenunterbringung“, wie dies in manchen Großstädten der Fall sei, sondern versuche, die Neuankömmlinge dezentral in der Gesamtstadt zu verteilen, erklärte Oberbürgermeister Wolfram Britz zur Einführung in den Bürgerabend. Deshalb errichte man nun zwei Unterkünfte für maximal 50 Personen – eine in Schneeflären und die zweite in Kork. „Wir haben es bislang immer gut hinbekommen. Wir hatten wenig Konflikte, sowohl in der Kernstadt als auch in den Ortschaften.“ Ausdrücklich bedankte er sich bei den Einwohnerinnen und Einwohnern von Odelshofen, die mit dem – im vergangenen Jahr aufgegebenen – Sonnenhof und der Krone „unser Flüchtlingszentrum waren“. Im laufenden Jahr müsse die Stadt etwa 100 Geflüchtete in die Anschlussunterbringung aufnehmen und er gehe davon aus, „dass wir es mit dem in Kehl herrschenden Geist wieder hinbekommen“. Schließlich stehe die Stadt mit der Aufgabe nicht allein, sondern „ist in der glücklichen Lage, dass wir immer viel Unterstützung von der Flüchtlingshilfe Kehl und durch den Gemeinderat erhalten haben“. Flucht sei, auch wenn die Flüchtlingszahlen gegenwärtig rückläufig seien, keine temporäre Erscheinung, „sondern wird uns immer weiter beschäftigen“.
50 neue Nachbarinnen und Nachbarn
50 Personen werden in der neuen Unterkunft in Schneeflären wohnen können, erläuterte Natascha Kaiser, Fachbereichsleiterin für Bildung, Soziales und Kultur. Das Haus ist so aufgeteilt, dass darin 32 alleinstehende Männer untergebracht werden können, die sich eine Gemeinschaftsküche und Sanitäranlagen teilen. Darüber hinaus ist Platz für drei Familien, die jeweils über ein eigenes Bad, eine Toilette und eine Küchenzeile verfügen. Wiederum gemeinschaftlich genutzt werden Sanitäranlagen und Küche im Gebäudetrakt für sechs alleinstehende Frauen oder drei alleinerziehende Frauen mit Kindern. Die Ausstattung der Räume ist einfach; die Einzelbetten können auch als Stockbetten übereinandergestapelt werden.
Hausmeister und Flüchtlingssozialarbeiter
Ein Hausmeister und ein Flüchtlingssozialarbeiter „werden Hand in Hand arbeiten“ und die neuen Bewohnerinnen und Bewohner begleiten. Zugleich seien sie auch Ansprechpartner für die Einwohnerinnen und Einwohner im Quartier. Der Hausmeister kümmere sich darum, dass die Hygienestandards im Haus und vor allem in den gemeinschaftlich genutzten Räumen eingehalten würden – wer selbst einmal in einem Studentenwohnheim oder einer Wohngemeinschaft gelebt habe, wisse um die Herausforderung. In der neuen Unterkunft kämen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen, „das Miteinander muss unabhängig von der Herkunft gelingen“, sagte Natascha Kaiser.
Unterstützung durch das Integrationsmanagement
Unterstützt werden die Hausbewohnerinnen und -bewohner nicht nur durch den Flüchtlingssozialarbeiter vor Ort, sondern auch durch das Team des städtischen Integrationsmanagements, das derzeit 630 Geflüchtete in Kehl betreut. Die vier Mitarbeitenden lotsen die Neuankömmlinge durch „den Bürokratiedschungel“, wie Integrationsmanagerin Johanna Bung formulierte und leisteten Hilfe zur Selbsthilfe. Ziel ist es, „die Geflüchteten zu befähigen, ihr Leben selbst in die Hand nehmen zu können“. Sie ermunterte die Einwohnerinnen und Einwohner, Kontakt zu den neuen Nachbarinnen und Nachbarn aufzunehmen: „Das kann richtig toll werden.“
Appell: Einfach Kontakt aufnehmen
So sehen es auch Erich Jais und Rolf Berger von der Flüchtlingshilfe Kehl: „Menschen dürfen keine Fremdkörper sein“, sagte der Gründer der Flüchtlingshilfe; Rolf Berger appellierte an die Anwesenden, ins neue Haus „einfach reingehen und fragen, was gebraucht wird“. Dass die Integration der neuen Bewohnerinnen und Bewohner ins Quartier klappen wird, daran ließ er keinen Zweifel: „Es ist in Kork gelungen, in Odelshofen, in der Kernstadt, warum sollte es in Schneeflären nicht gelingen?“ Inzwischen seien Geflüchtete, die in früheren Jahren nach Kehl gekommen sind, selbst Teil der Flüchtlingshilfe.
Vielfältige Angebote für Geflüchtete und Einheimische
Natascha Kaiser und Melanie Frühe, Leiterin Stadtteil- und Sozialraumentwicklung bei der Stadt, stellten die vielfältigen Angebote vor, die Geflüchtete in der Kernstadt nutzen können: Vom Frauen- und Familienzentrum in der Villa RiWa mit den Begegnungsangeboten vom Frühjahrsgrillen, über das Nachbarschafts-Café bis zum Suppenfest über die Offene Jugendarbeit bis hin zum Engagement der Kehler Vereine.
Hilfe bei Traumata
Extra aus Achern kamen zwei Mitarbeiterinnen das Cabrini-Centers Ortenau zum Informationsabend und stellten ihr Angebot zur Stabilisierung und Verbesserung der Gesundheits- und Lebenssituation vor. Wen traumatische Erlebnisse belasteten, der bekomme Kopf und Herz nicht frei, könne die Sprache nicht erlernen und Integration nicht leisten. Geflüchtete mit Bleibeperspektive versuchen die Mitarbeiterinnen mit systemischer Therapie und/oder Maltherapie zu entlasten und in schweren Fällen die Zeit zu überbrücken, bis ein Therapieplatz im Regelsystem gefunden ist. Sie ermunterten auch Flüchtlingspaten, sich im Bedarfsfall an das Cabrini-Center zu wenden.
Zum Nachhören im Infocast (ab Minute 02:48)








