Neue Flüchtlingsunterkunft

Flüchtlingsunterkunft Schneeflären: Wie das Miteinander gelingen kann

Die Flüchtlingsunterkunft im Wohnquartier Schneeflären ist fast fertig; die ersten Bewohnerinnen und Bewohner werden im Frühjahr einziehen. Bis zu 50 Menschen – alleinstehende Männer und Frauen, Alleinerziehende und Familien – können im neuen Gebäude untergebracht werden. Wie eine gute Nachbarschaft und ein Miteinander gelingen können, war Thema bei einem Informationsabend im Dr. Friedrich-Geroldt-Haus, zu dem die Stadt am Dienstagabend (10. Februar) eingeladen hat.

Rund 60 Interessierte aus dem Wohnquartier Schneeflären sind zum Informationsabend über die neue Flüchtlingsunterkunft gekommen.

Die Stadt setze von jeher nicht auf „Massenunterbringung“, wie dies in manchen Großstädten der Fall sei, sondern versuche, die Neuankömmlinge dezentral in der Gesamtstadt zu verteilen, erklärte Oberbürgermeister Wolfram Britz zur Einführung. Deshalb errichte man nun zwei Unterkünfte für maximal 50 Personen – eine in Schneeflären und die zweite in Kork. „Wir haben es bislang immer gut hinbekommen. Wir hatten wenig Konflikte, sowohl in der Kernstadt als auch in den Ortschaften.“ Ausdrücklich bedankte er sich bei den Einwohnerinnen und Einwohnern von Odelshofen, die mit dem – im vergangenen Jahr aufgegebenen – Sonnenhof und der Krone „unser Flüchtlingszentrum waren“. Im laufenden Jahr müsse die Stadt etwa 100 Geflüchtete in die Anschlussunterbringung aufnehmen und er gehe davon aus, „dass wir es mit dem in Kehl herrschenden Geist wieder hinbekommen“. Schließlich stehe die Stadt mit der Aufgabe nicht allein, sondern „ist in der glücklichen Lage, dass wir immer viel Unterstützung von der Flüchtlingshilfe Kehl und durch den Gemeinderat erhalten haben“. Flucht sei, auch wenn die Flüchtlingszahlen gegenwärtig rückläufig seien, keine temporäre Erscheinung, „sondern wird uns immer weiter beschäftigen“.

50 neue Nachbarinnen und Nachbarn

50 Personen werden in der neuen Unterkunft in Schneeflären wohnen können, erläuterte Natascha Kaiser, Fachbereichsleiterin für Bildung, Soziales und Kultur. Das Haus ist so aufgeteilt, dass darin 32 alleinstehende Männer untergebracht werden können, die sich eine Gemeinschaftsküche und Sanitäranlagen teilen. Darüber hinaus ist Platz für drei Familien, die jeweils über ein eigenes Bad, eine Toilette und eine Küchenzeile verfügen. Wiederum gemeinschaftlich genutzt werden Sanitäranlagen und Küche im Gebäudetrakt für sechs alleinstehende Frauen oder drei alleinerziehende Frauen mit Kindern. Die Ausstattung der Räume ist einfach; die Einzelbetten können auch als Stockbetten übereinandergestapelt werden.

Hausmeister und Flüchtlingssozialarbeiter

Ein Hausmeister und ein Flüchtlingssozialarbeiter „werden Hand in Hand arbeiten“ und die neuen Bewohnerinnen und Bewohner begleiten. Zugleich seien sie auch Ansprechpartner für die Einwohnerinnen und Einwohner im Quartier. Der Hausmeister kümmere sich darum, dass die Hygienestandards im Haus und vor allem in den gemeinschaftlich genutzten Räumen eingehalten würden – wer selbst einmal in einem Studentenwohnheim oder einer Wohngemeinschaft gelebt habe, wisse um die Herausforderung. In der neuen Unterkunft kämen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen, „das Miteinander muss unabhängig von der Herkunft gelingen“, sagte Natascha Kaiser.

Unterstützung durch das Integrationsmanagement

Unterstützt werden die Hausbewohnerinnen und -bewohner nicht nur durch den Flüchtlingssozialarbeiter vor Ort, sondern auch durch das Team des städtischen Integrationsmanagements, das derzeit 630 Geflüchtete in Kehl betreut. Die vier Mitarbeitenden lotsen die Neuankömmlinge durch „den Bürokratiedschungel“, wie Integrationsmanagerin Johanna Bung formulierte und leisteten Hilfe zur Selbsthilfe. Ziel ist es, „die Geflüchteten zu befähigen, ihr Leben selbst in die Hand nehmen zu können“. Sie ermunterte die Einwohnerinnen und Einwohner, Kontakt zu den neuen Nachbarinnen und Nachbarn aufzunehmen: „Das kann richtig toll werden.“

Appell: Einfach Kontakt aufnehmen

So sehen es auch Erich Jais und Rolf Berger von der Flüchtlingshilfe Kehl: „Menschen dürfen keine Fremdkörper sein“, sagte der Gründer der Flüchtlingshilfe; Rolf Berger appellierte an die Anwesenden, ins neue Haus „einfach reingehen und fragen, was gebraucht wird“. Dass die Integration der neuen Bewohnerinnen und Bewohner ins Quartier klappen wird, daran ließ er keinen Zweifel: „Es ist in Kork gelungen, in Odelshofen, in der Kernstadt, warum sollte es in Schneeflären nicht gelingen?“ Inzwischen seien Geflüchtete, die in früheren Jahren nach Kehl gekommen sind, selbst Teil der Flüchtlingshilfe.

Vielfältige Angebote für Geflüchtete und Einheimische

Natascha Kaiser und Melanie Frühe, Leiterin Stadtteil- und Sozialraumentwicklung bei der Stadt, stellten die vielfältigen Angebote vor, die Geflüchtete in der Kernstadt nutzen können: Vom Frauen- und Familienzentrum in der Villa RiWa mit den Begegnungsangeboten vom Frühjahrsgrillen, über das Nachbarschafts-Café bis zum Suppenfest über die Offene Jugendarbeit bis hin zum Engagement der Kehler Vereine.

Hilfe bei Traumata

Extra aus Achern kamen zwei Mitarbeiterinnen das Cabrini-Centers Ortenau zum Informationsabend und stellten ihr Angebot zur Stabilisierung und Verbesserung der Gesundheits- und Lebenssituation vor. Wen traumatische Erlebnisse belasteten, der bekomme Kopf und Herz nicht frei, könne die Sprache nicht erlernen und Integration nicht leisten. Geflüchtete mit Bleibeperspektive versuchen die Mitarbeiterinnen mit systemischer Therapie und/oder Maltherapie zu entlasten und in schweren Fällen die Zeit zu überbrücken, bis ein Therapieplatz im Regelsystem gefunden ist. Sie ermunterten auch Flüchtlingspaten, sich im Bedarfsfall an das Cabrini-Center zu wenden.

Info

Wer sich die neue Flüchtlingsunterkunft anschauen möchte, bevor sie bezogen wird, hat dazu am Samstag, 21. Februar, bei einem Tag der offenen Tür von 10 bis 14 Uhr Gelegenheit.