Gegen Gewalt an Frauen

Orangefarbene Bank am Wasserband als Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Oberbürgermeister Wolfram Britz und Natascha Kaiser, Fachbereichsleiterin Bildung, Soziales und Kultur (beide ganz links) freuen sich gemeinsam mit Katharina Schäfer (sitzend, Fachausschuss Gewalt in der Familie) und Vertreterinnen von Bürgerstiftung, Netzwerk Häusliche Gewalt, Aufschrei Ortenau e.V., Club Soroptimist Offenburg, Frauen helfen Frauen Ortenau e.V., Kehler Frauen AG und Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Betriebshofs.

Ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und ein niedrigschwelliger Hinweis auf Unterstützungsangebote: Das ist die Idee hinter der orangefarbenen Bank, die am Donnerstag (27. November) am Wasserbandspielplatz eingeweiht wurde. Zahlreiche Vertreterinnen von Vereinen und Beratungsstellen aus Kehl und der Ortenau sowie städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren ebenso anwesend wie Oberbürgermeister Wolfram Britz. Die Bank ist eine Initiative des Fachausschusses Gewalt in der Familie der Bürgerstiftung Kehl.

„Gerade weil Gewalt gegen Frauen oft im Verborgenen stattfindet, müssen wir sie sichtbar machen – auch bei uns in Kehl“, betonte Oberbürgermeister Wolfram Britz bei der Einweihung. Die Zahlen häuslicher Gewalt und die Zahl der Femizide seien weiterhin erschreckend hoch. Frauenhäuser seien bundesweit überfüllt; rund 14 000 Frauen hätten im vergangenen Jahr Schutz gesucht, noch mehr konnten nicht aufgenommen werden. 2023 seien 360 Frauen getötet worden – nahezu jeden Tag ein Femizid, häufig im Kontext häuslicher Gewalt. „Deshalb ist diese Bank an einem so belebten Ort wie dem Wasserspielplatz so wichtig“, sagte Wolfram Britz. Sie erinnere daran, dass Gewalt an Frauen keinen Platz habe, „nicht in unseren Familien, nicht in unserer Stadt, nicht in unserer Gesellschaft.“
Die Bank entstand aus einer Initiative des Fachausschusses „Gewalt in der Familie“ der Bürgerstiftung. Im Frühjahr 2024 sah dessen stellvertretende Vorsitzende Katharina Schäfer in Offenburg eine ähnliche Bank gegen Gewalt an Frauen, wie sie bereits in vielen Städten zu finden ist, und dachte spontan: „Die Zeit ist reif für Kehl. Die Stadt braucht eine orangefarbene Bank.“ Finanzielle Unterstützung kam von den Offenburger Soroptimistinnen. Katharina Schäfer hob besonders hervor, dass die Bank eine „sehr subtile Form der Hilfe“ sei und Hemmschwellen senke: „Obwohl sie im öffentlichen Raum steht, bietet sie einen gewissen geschützten Moment.“ Niemand sehe, wenn Betroffene sich unauffällig das auf der Bank angebrachte Schild mit Hilfsangeboten abfotografierten. Für Frauen, die Angst hätten, über ein so schambesetztes Thema wie häusliche Gewalt zu sprechen, könne das ein erster Schritt in Richtung Hilfe sein.
Auch Claudia Mündel, Vorsitzende des Fachausschusses, betonte die Bedeutung der Bank als Zeichen dafür, dass das Thema auch in Kehl ernst genommen würde, und dankte gleichzeitig dem städtischen Betriebshofleiter Peter Grün und seinem Stellvertreter Frank Wagner für ihr Engagement: „Ich musste überhaupt keine Überzeugungsarbeit leisten.“ Beide seien sofort bereit gewesen, die Bank als Projekt der Auszubildenden umzusetzen.
Warum Orange? Die Einweihung der Bank fällt in die internationalen „Orange Days“, eine Aktion der Vereinten Nationen, die jährlich vom 25. November bis 10. Dezember weltweit auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam macht. Auch die Plakate, die im Anschluss an die Bankeinweihung auf der Plattform der Passerelle aufgehängt wurden und auf das Schicksal jener 70 Frauen hinweisen, die in Deutschland bis Ende September dieses Jahres einem Femizid zum Opfer gefallen sind, sind in leuchtendem Orange gehalten. Die Farbe steht für Hoffnung und eine gewaltfreie Zukunft.
Oberbürgermeister Wolfram Britz erinnerte in diesem Zusammenhang an eine weitere orangefarbene Bank in Kehl: die „Babbelbank“ gegen Einsamkeit, die seit dem vergangenen September im Rheinvorland steht. „In Kehl trägt die Farbe Orange nun eine klare Botschaft: Wir lassen niemanden allein. Hier gibt es Hilfe“, sagte er.

Bis zum 10. Dezember werden die Plakate auf der Passerelle an die 70 Frauen erinnern, die bis Ende September dieses Jahres in Deutschland einem Femizid zum Opfer gefallen sind.

Hilfsangebote

Auf der neuen Bank ist ein Schild mit einem QR-Code angebracht, der direkt zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten in Kehl und der Ortenau führt. Frauen, die von Gewalt betroffen sind – egal welcher Form –, können sich außerdem an das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ wenden: Telefon 116 016. Es ist kostenfrei, anonym, rund um die Uhr und in vielen Sprachen. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte erhalten dort Unterstützung. Dieses Angebot des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben steht auch via Online-Beratung unter www.hilfetelefon.de zur Verfügung. In Frankreich ist unter der Nummer 3919 das Netzwerk Solidarité Femmes rund um die Uhr erreichbar und bietet Unterstützung an.

Gegen Gewalt an Frauen: Aktion auf dem Marktplatz und Flaggen vor der Stadthalle

70 getötete Frauen – allein bis Ende September. Juliane Peter (links), Leiterin des Frauen- und Familienzentrums, eröffnete die Lesung.

Ergreifende Minuten prägten den Höhepunkt des Kehler Aktionsmonats "Gegen Gewalt an Frauen und Mädchen": Mit dem Verlesen der Details der Femizide erinnerten Vereine und Organisationen aus Kehl und der Ortenau, die am Freitag (21. November) auf dem Marktplatz ihre Beratungs- und Hilfsangebote vorstellten, an die in diesem Jahr bereits getöteten Frauen. Gemeinsam mit Natascha Kaiser, Fachbereichsleiterin für Bildung, Soziales und Kultur, und Mitarbeiterinnen des Fachbereichs präsentierte auch Juliane Peter, Leiterin des Frauen- und Familienzentrums, die Angebote der städtischen Beratungsstelle. Im Anschluss versammelten sich die Teilnehmerinnen vor der Stadthalle, wo bereits Fahnen der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes mit der Aufschrift „Frei leben ohne Gewalt“ wehten.

Bis Ende September wurden in diesem Jahr allein in Deutschland 70 Frauen Opfer von Femiziden – gezielten Tötungen von Frauen aufgrund ihres Geschlechts. In ihrer Ansprache betonte Natascha Kaiser, Fachbereichsleiterin für Bildung, Soziales und Kultur, dass Femizide keine gesellschaftliche Randerscheinung seien und „kein Problem irgendwo da draußen“, sondern ein flächendeckendes Problem, das alle sozialen Milieus betreffe. Hinter jedem einzelnen Fall stehe nicht nur ein ausgelöschtes Leben, sondern auch eine Familie, die mit unermesslichem Schmerz zurückbleibe.
Natascha Kaiser machte auch deutlich, dass jeder Femizid eine Mahnung an die Gesellschaft sei, nicht wegzusehen, sondern zu handeln. Sie dankte allen Beratungsstellen, Initiativen, Vereinen, der Polizei sowie den engagierten Bürgerinnen und Bürgern für ihren unermüdlichen Einsatz: „Ihre Arbeit, Ihre Beharrlichkeit und Ihr Mut sind unverzichtbar“, sagte sie. Sie appellierte an die Bürgerinnen und Bürger von Kehl, einer „weltoffenen, bunten, toleranten und solidarischen Stadt“, sich gegen Gewalt an Frauen und Mädchen zu positionieren. Anstatt Femizide als Familientragödien zu verharmlosen, müssten sie als solche benannt werden: „Wegschauen ist keine Option. Deshalb sind wir heute hier auf dem Marktplatz, um der Frauen zu gedenken, die Opfer patriarchaler Gewalt geworden sind.“ In bewegenden Minuten verlasen zahlreiche Teilnehmerinnen des Aktionstages die Todesumstände der 70 Frauen, die bis Ende September dieses Jahres allein in Deutschland einem Femizid zum Opfer gefallen sind. 70 Tötungen, 70 Schicksale.

Neben dem städtischen Frauen- und Familienzentrum waren unter anderem das Diakonische Werk, „Frauen helfen Frauen“, die Kehler Frauen AG, das Netzwerk Häusliche Gewalt und Zwangsheirat sowie der Soroptimistinnen-Club Offenburg-Ortenau vertreten, um ihre Hilfs- und Beratungsangebote vorzustellen. Im Anschluss an die Aktion auf dem Marktplatz versammelten sich die Aktivistinnen vor der Stadthalle und machten unter den gehissten blauen Fahnen der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes auf die Bedeutung dieses Tages aufmerksam. Die Fahnen mit der Aufschrift „Frei leben ohne Gewalt“ werden drei Wochen lang vor der Stadthalle wehen und auf das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen und Mädchen erinnern.