Kälteschutz
Kälteschutz: Deutlich mehr Menschen suchen Hilfe
Die Temperaturen sind gestiegen, die Kälteschutzsaison ist beendet und die Container inzwischen abgebaut. Die Zahl der Übernachtungen hat sich deutlich von zuvor 1177 auf 1646 erhöht. „Der Bedarf macht deutlich, welchen Stellenwert der Kälteschutz mittlerweile hat“, sagt Jannate Hammerstein, Leiterin des städtischen Sozialwesens. Zum Abschluss trafen sich Vertreterinnen der Stadtverwaltung, des Diakonischen Werks, der Volksbank Bühl und der Carl-Friedrich Geiger-Stiftung in der Tagesstätte Café Kanne, um sich über die Arbeit vor Ort zu unterhalten und Bilanz zu ziehen.
Bereits seit 2021 dient das Kälteschutzquartier für von Obdachlosigkeit betroffene Menschen während der kalten Monate als Unterschlupf. Seitdem nimmt die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer kontinuierlich zu. Doch ein so großer Sprung ist auch für Claudia Lany neu. Sie arbeitet in der Tagesstätte Café Kanne, wo die Obdachlosen sich für den Kälteschutz anmelden mussten. „Der Andrang war so groß, dass wir erstmals an andere Städte vermitteln mussten“, erzählt die Sozialarbeiterin des Diakonischen Werks. Diese Entwicklung zeigt, wie wichtig das Angebot ist, findet Ingrid Oswald, Leiterin des Amts für Soziales und Versorgung des Ortenaukreises. „Für obdachlose Menschen besteht insbesondere im Winter die Gefahr lebensbedrohlicher Situationen. Die Notschlafstelle in Kehl hat sich zu einem unverzichtbaren Bestandteil der niederschwelligen Wohnungslosenhilfe entwickelt“, sagt sie und ergänzt: „Zwischenzeitlich kann der Kälteschutz im Ortenaukreis in Kehl, Offenburg und Lahr angeboten werden.“ Insgesamt 39 Menschen aus 17 verschiedenen Ländern übernachteten in der vergangenen Saison in einem der fünf Container in Kehl, von denen üblicherweise zwei für Frauen reserviert waren. Doch schon im vergangenen Jahr hatte man einen der beiden Container bei Bedarf für männliche Gäste geöffnet. Der Anteil an Besucherinnen blieb auch in dieser Saison gering. Sechs Frauen nahmen im vergangenen Winter den Kälteschutz in Anspruch. Gabriele Neumann erklärt sich den geringen Anteil durch das mangelnde Sicherheitsgefühl. „Viele von ihnen haben Gewalterfahrungen mit Männern gemacht und sind deshalb besonders vorsichtig“, vermutet die Dienststellenleiterin des Diakonischen Werks in Kehl und Achern. Um dieser Situation zu begegnen, wurden in der vergangenen Saison Anpassungen vorgenommen. So waren die Container für Frauen erstmals von innen abschließbar, zudem wurden Bewegungsmelder mit Beleuchtung installiert.
Im Großen und Ganzen verlief die Saison ruhig: „Die Stimmung war gut und es gab kaum Konflikte“, sagt Claudia Lany. Das sei bemerkenswert, weil die Gäste auf engem Raum zusammenlebten. Vieles funktionierte über Eigenverantwortung und ein gewisses Gemeinschaftsgefühl. So habe in einem Fall ein Gast eigenständig den Rettungsdienst für einen anderen gerufen. Durchgehend war der Kälteschutz jedoch nicht geöffnet. Unter der Woche mussten die Übernachtungsgäste am Morgen die Container mit ihrem Hab und Gut verlassen. Viele gingen anschließend ins Café Kanne, wo sie gegen einen geringen Beitrag etwas essen, duschen oder ihre Wäsche waschen konnten. „Dass die Leute morgens gegangen sind, hat immer gut geklappt“, bestätigt Claudia Lany. Von Freitag bis Montag war der Kälteschutz zudem durchgehend geöffnet.
Nicht ohne Unterstützung
Der Kälteschutz wird seit Beginn an durch verschiedene Unterstützerinnen und Unterstützer gefördert. „Wir machen das für die Region – nicht alle leben auf der Sonnenseite“, sagt Corina Scheer von der Volksbank Bühl. Auch Jasna Seric von der Carl-Friedrich Geiger-Stiftung betont: „Wir setzen uns gerne für diese Menschen ein, ohne Wenn und Aber“. Die Unterstützenden wurden in das Café Kanne eingeladen, wo sie sich nicht nur die Entwicklung der Übernachtungszahlen erläutern ließen, sondern auch Einblicke in die Arbeit der Tagesstätte erhielten. Dabei wurde deutlich, wie eng die verschiedenen Angebote miteinander verknüpft sind. Das Café Kanne dient als zentrale Anlaufstelle, von der aus weitere Hilfen koordiniert werden – vom Zugang zum Kälteschutz über medizinische Versorgung bis hin zu Beratungsangeboten. Dass der Kälteschutz in dieser Form bestehen kann, wäre ohne die Unterstützung Dritter nicht möglich. „Der Kälteschutz ist nur tragbar durch die Förderung der Stiftungen, des Landratsamts und durch Algeco“, sagt Jannate Hammerstein. Das Unternehmen stellt die Container zur Verfügung. Durch diese Unterstützung habe die Arbeit vor Ort weiter an Qualität gewonnen, ergänzt Claudia Lany und bedankte sich dafür. „Ich bin froh, dass es den Kälteschutz gibt. Sonst würde es mir schwerfallen, hier zu arbeiten und die Menschen abends wieder in die Kälte zu schicken.“
Hintergrund
Den Kälteschutz für freiwillig obdachlose Menschen gibt es seit 2021 in Kehl. Die Firma Algeco hat der Stadt erneut die Kälteschutz-Container samt Betten und Matratzen sowie Sanitäranlagen unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Finanziell unterstützt wird das Angebot von der Sparkasse Hanauerland, der Volksbank Bühl, der Carl-Friedrich Geiger-Stiftung sowie von der Lotte-und-Dieter-Klumpp-Stiftung. Das Landratsamt bezuschusste die beim Diakonischen Werk angesiedelte Personalstelle für den Schließdienst.

