Neuer Glockenklang

Nach Motorschaden: Auf dem Friedhof erklingen elektronische Glocken

Die Messingglocke in der Friedhofskapelle auf dem Kernstadt-Friedhof hat ihren letzten Glockenschlag getan. Stattdessen schallt das Geläut seit Jahresbeginn aus zwei Lautsprechern über die Grabstätte. Die technische Umrüstung bringt dabei gleich mehrere Vorteile mit sich.

Im Glockenturm sorgen inzwischen zwei Lautsprecher für das Glockengeläut.

Als der Antriebsmotor nach einem attestierten Totalschaden die Friedhofsglocke zum Schweigen brachte, stand das Team des städtischen Gebäudemanagements vor einer Abwägung. Mit einer Motorreparatur oder einem Austausch war es nämlich nicht getan, denn der Zugang zum Glockenturm entspricht nicht mehr den aktuellen Arbeitsschutzvorschriften. In der Praxis bedeutete dies: Der Austausch des Antriebsmotors wäre einem derart umfangreichen Eingriff gleichgekommen, dass der Bestandsschutz für den Glockenturm erloschen wäre. In der Folge hätte eine neue Leiter samt Absturzsicherung montiert werden müssen. Und auch das Holzgestell, an dem die schwere Messingglocke hing, hätte regelmäßig auf seine Tragfähigkeit hin geprüft werden müssen. Das Gebäudemanagement-Team entschloss sich für eine pragmatischere und wirtschaftlichere Lösung: Die alte Glocke wurde abmontiert und durch zwei Lautsprecher ersetzt, die seither das gesamte Friedhofsgelände mit einem elektrischen Geläut beschallen. Der Vorteil: Die Lautsprecher müssen nicht gewartet werden und der Bestandsschutz des Glockenturms auf der Friedhofskapelle bleibt gewahrt. Und sollte doch einmal ein Lautsprecher den Dienst versagen, lässt sich dieser von außen mit einer Sprossenleiter erreichen. Die „elektronischen Glocken“ haben aber auch für Trauergäste einen ganz praktischen Vorteil: In der Vergangenheit musste das Geläut der Messingglocke im Vorfeld terminiert werden, damit es den Trauerzug von der Aussegnungshalle bis zur Grabstätte begleitet. Dabei kam es vor, dass die Glocke verstummte, ehe die Trauernden am Grabfeld angelangt waren. Dieser Umstand entfällt mit den Lautsprechern, denn sie lassen sich von jeder Stelle des Friedhofs aus mittels Fernbedienung ein- und wieder ausschalten, sodass das Geläut nicht vorzeitig endet. Die ersten Rückmeldungen, die beim städtischen Gebäudemanagement eingegangen sind, sind durchaus positiv. So bestätigte ein Friedhofsbesucher: „Wenn man es nicht weiß, hört man den Unterschied nicht.“ Die Gesamtkosten für die neue Lautsprecheranlage beliefen sich auf rund 8000 Euro.

Die alte Messingglocke aus dem Jahr 1953 wird derzeit beim städtischen Gebäudemanagement verwahrt und anschließend dem Stadtarchiv übergeben. Sie bringt rund zehn Kilogramm auf die Waage.

Ein Mitarbeiter des Gebäudemanagements hält die schwere Messingglocke.
Die alte Messingglocke kommt ins Stadtarchiv und bleibt der Stadt erhalten.