KI-Einstiegsschulung
Künstliche Intelligenz verstehen: Großes Interesse für die Einstiegsschulung in der Mediathek
Was haben ein Chihuahua und ein Muffin gemeinsam? Für die meisten Menschen lautet die Antwort eindeutig: nichts. Dass eine Künstliche Intelligenz hier durchaus ins Straucheln kommen kann, zeigte Mediatheksleiterin Sonja Kuhlmann bei einer KI-Einstiegsschulung im Erdgeschoss der Mediathek. Rund 45 Interessierte waren gekommen, um sich über Entstehung, Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten von KI zu informieren, zentrale Werkzeuge kennenzulernen und über ethische sowie rechtliche Fragen zu diskutieren.
Um ihr Publikum auf einen gemeinsamen Wissensstand zu bringen, holte Sonja Kuhlmann weit aus und zeichnete die Entwicklung der Technologie nach: vom Schachcomputer Deep Blue, der 1996 den Weltmeister Garri Kasparow besiegte, bis zu modernen Deep-Learning-Algorithmen. Algorithmen, so erklärte sie, ließen sich am besten mit Kochrezepten vergleichen: Sie werden mit Daten „gefüttert“, nach bestimmten Regeln verarbeitet und liefern schließlich ein Ergebnis. „Eine KI verarbeitet Millionen oder Milliarden dieser ‚Rezepte‘ gleichzeitig, lernt aus Daten und zieht daraus Schlussfolgerungen“, erläuterte die Mediatheksleiterin. Nach diesem Prinzip würden auch generative KI-Modelle wie der „Taschenrechner für Sprache“ ChatGPT funktionieren, der Sprache statistisch verarbeitet und so neue Texte erzeugt. Dabei machte Sonja Kuhlmann auch auf die Grenzen dieser Technologie aufmerksam, etwa auf das sogenannte „Halluzinieren“, wenn scheinbar plausible, aber tatsächlich falsche oder irreführende Informationen generiert werden.
Um zu verdeutlichen, wie KI-Systeme lernen, hatte die Mediatheksleiterin zahlreiche Bilder von Chihuahuas und Schokomuffins mitgebracht. Die kleinen Hunde mit ihren braunen Glubschaugen ähneln den mit Schokostücken gespickten Küchlein zum Verwechseln. Das Beispiel zeige, welche enormen Datenmengen notwendig seien, damit KI-gestützte Bilderkennung zuverlässig funktioniert. „Die Maschine erkennt den Unterschied nur dann sicher, wenn die Datenbasis über alle erdenklichen Details verfügt.“ Dabei sei die Qualität und Ausgewogenheit der Trainingsdaten entscheidend. Denn eine KI übernähme auch Verzerrungen – ein Phänomen, das als „Bias“ bezeichnet wird und zu diskriminierenden Ergebnissen führen kann.
Ein zentraler Teil der Schulung widmete sich daher ethischen und rechtlichen Herausforderungen. Diskutiert wurden diskriminierende KI-Entscheidungen, etwa bei Prognosen zum Verhalten von Straftätern, sowie das Twitter-Experiment „Tay“: Der von Microsoft 2016 gestartete, anfangs „sehr nette“ Chatbot sollte aus Gesprächen mit Nutzerinnen und Nutzern lernen und verbreitete bereits nach wenigen Stunden rassistische, antisemitische und beleidigende Inhalte und wurde nach nur 16 Stunden abgeschaltet. Der Fall zeige, so Sonja Kuhlmann, wie wichtig Schutzmechanismen und ethische Leitplanken für KI-Systeme seien.
Die Idee zur Schulung entstand aus persönlichen Erfahrungen der Mediatheksleiterin: „In meinem Umfeld wurde KI entweder verteufelt oder ganz unkritisch genutzt. Nach dem Motto: Ich habe nichts zu verbergen.“ Ihr Anliegen sei es, einen reflektierten Umgang zu vermitteln: „Es gibt tolle Nutzungsmöglichkeiten, aber man sollte vorsichtig sein, keine privaten Daten preisgeben, den Standort von Servern hinterfragen und besonders Kinder und Jugendliche begleiten und sensibilisieren.“ Sie selbst lerne stetig dazu und nehme aus jeder Veranstaltung neue Anregungen mit.
Nach dem Vortrag kamen einige Besucherinnen und Besucher ins Gespräch, tauschten ihre Eindrücke und persönlichen Beweggründe aus. Eine Rentnerin aus Kehl berichtete von einem Schlüsselerlebnis mit ihrer Enkelin: „Sie gab mir einen Schulaufsatz zum Korrigieren. Ich war begeistert und hatte nichts zu beanstanden.“ Dann habe die Enkelin schmunzelnd zugegeben, dass der Text zwar super sei, aber eben nicht von ihr. Sie sei in die Mediathek gekommen, um zu verstehen, was sich durch KI im Alltag ihrer Enkelin verändert. Ähnlich ging es einem Ehepaar aus Bodersweier: „Unser Enkelkind weiß mit seinen sechs Jahren besser Bescheid als wir. Das müssen wir ändern, auch wenn uns KI ehrlich gesagt ziemlich Angst macht.“ Besonders beschäftige sie auch der immense Energieverbrauch dieser Technologie. Ein Thema, das in der mit dem Förderpreis „Bibliothek des Jahres Baden-Württemberg 2025“ ausgezeichneten Schulung ebenfalls zur Sprache kam. Die nächste Möglichkeit zur Teilnahme gibt es im April, auch diese Schulung wird wieder in Zusammenarbeit mit der VHS Ortenau angeboten.
