Schlüsselübergabe

Die Narren übernehmen das Regiment: Schlammhexen entreißen OB Wolfram Britz den Rathausschlüssel

Es hilft nichts: Auch in diesem Jahr muss Oberbürgermeister den Rathausschlüssel wieder an die Narren abgegeben.

Die Macht der Stadtoberen ist dahin. Oberbürgermeister Wolfram Britz gelang es erneut nicht, den Rathausschlüssel zu verteidigen. Am Schmutzigen Donnerstag (12. Februar) musste er sich geschlagen geben und die Herrschaft bis einschließlich Fastnachtsdienstag an die Narren übergeben. Rund 260 Kinder aus Kitas und Grundschulen der Kernstadt verfolgten, wie die Schlammhexen den OB trotz energischer Gegenwehr in die Stadthalle verschleppten.

Bis zum Aschermittwoch haben nun die Narren das Sagen. Die Kehler Schlammhexen, begleitet von Teufel und Goldonkel von 1802, zerrten Oberbürgermeister Wolfram Britz vom Rathaus in die Stadthalle, wo ihm pünktlich um 11.11 Uhr der Rathausschlüssel entrissen wurde. Wegen starken Regens wurde der traditionelle Narrensturm kurzfristig vom Vorplatz ins Innere des Gebäudes verlegt, wo sich der OB dem jährlichen Narrengericht, vertreten durch Steve Altmann, stellen musste.
In seiner humorvollen Anklage kritisiert der Vorsitzende der Kehler Schlammhexen die zunehmenden Auflagen für Vereine: „Man fühlt sich langsam im Stich gelassen und allein.“ Statt wie in den vergangenen Jahren weitere Vorwürfe zu formulieren, überreicht Steve Altmann dem Oberbürgermeister ein symbolisches Präsent – eine Flasche „NICHTS“ – und spielt auf die angespannte Haushaltslage der Stadt an: „Du merkst, es ist zum Haare raufen, willst du nun wirklich mal nichts kaufen.“ Zugleich dankt er den anwesenden Kindern für ihre Wunschzettel, mit denen sie die ansonsten leere Flasche gefüllt haben.
„NICHTS, das habe ich hier nicht zu bieten“, verteidigt sich Oberbürgermeister Wolfram Britz in seiner Gegenrede. „Mit Essen und Trinken will ich euch gütig stimmen, mich bedanken fürs Tanzen und fürs Singen“ reimt der Rathauschef und wünscht den Narren viel Erfolg. Weil diesen die ganze Stadt brauche, fordert er die Narren auf, während ihrer Regentschaft für Zusammenhalt zu sorgen und „Millionen für unsere Aufgaben zusammenzutragen“. Andernfalls drohe ihnen, wie er augenzwinkernd anmerkt, sogar Sippenhaft. Mit einem fröhlichen „Narri, narro!“ beendet er seine Rede und dankt den Kindern für die vielen Wunschzettel, die er in den kommenden Tagen seiner Machtlosigkeit genau studieren wolle. Tatsächlich hat er nun einiges auf seiner To‑do‑Liste: Ganz oben stehen ein Schwimmbad, eine Pool‑ und eine Monsterparty, aber auch Wünsche nach Freude, Sonnenschein und Glück.
Trotz des schlechten Wetters fanden sich rund 260 Kinder sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Narrenzünfte in der Stadthalle ein. Für ein abwechslungsreiches Programm mit Tanz und Musik sorgten die Kinder der Kitas St. Raphael, St. Maria und Sölling, die dafür mit großem Applaus aus dem Publikum belohnt wurden. „Das war richtig toll, wie überhaupt alles an Fastnacht toll ist“, begeisterte sich ein Erstklässler, jüngstes Zunftsmitglied der Stongebach-Hopser, im traditionellen Häs. Und auch drei Drittklässlerinnen der Josef-Guggenmos-Schule wollen nach ihrem allerersten Narrensturm auch nächstes Jahr wieder dabei sein, wenn es heißt: Narren an die Macht.

Im Video: Schlammhexen nehmen Rathausschlüssel an sich